Leserbrief (Langversion) zum Kommentar, Sa/So 6./7. Juli.2024, Lokalteile München und Ebersberg

von Herrn Lars Brunckhorst, zum Artikel

 

„Gericht stoppt Bau von Windrädern“

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen… Ist das die Aufgabe einer renommierten Zeitung wie der SZ?  Zu den Erfahrungen der Menschen, die sich für die Energiewende und mithin für den Bau von Windkraftanlagen einsetzen, gehört, dass landauf, landab, fortwährend desinformiert wird - warum beteiligt sich die SZ daran? Warum veröffentlich die SZ einen Kommentar zum bevorstehenden Baustopp der drei Windkraftanlagen im Höhenkirchner Forst, der mit einem Minimum an Faktencheck so nie  hätte verfasst, geschweige denn veröffentlicht werden dürfen?  Beispiele: „Erst geschlafen, dann geschlampt“, „unter dem Druck des Wind-an-Land-Gesetzes will man nun umso schneller machen“, und: „Falsche Standortwahl“. Auf welcher Basis werden solche Behauptungen in die Welt gesetzt?

Mag sein, dass die bayrische Staatsregierung in Sachen Windkraft geschlafen hat (Anm.: Nein, sie hat nicht geschlafen, sie hat sogar sehr effektiv diese verhindert), Fakt ist aber, dass die drei Windkraftanlagen nicht auf Betreiben der Staatsregierung projektiert worden sind, sondern zuvorderst das Resultat der Aktivität der drei Gemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Egmating und Oberpframmern, ihrer Gemeindevertretungen und ihrer Bürger und Bürgerinnen sind, unterstützt von lokalen Energiewendeorganisationen wie der Energieagentur.

Die Gemeindevertretungen, allen voran die Bürgermeister(innen), haben einen immensen Aufwand betrieben und über 5 Jahre (!) investiert, die Planung, die Gutachten und die Genehmigungen zu erwirken. Diesen, für eine lebenswerte Zukunft engagierten Gemeindevertretern, Bürgermeisterinnen und Privatleuten, „schnell-schnell“ und sogar Schlamperei vorzuwerfen,

verhöhnt diese, bis auf wenige Ausnahmen Ehrenamtlichen, bis ins Mark und ist zugleich ein Affront gegen die Mehrheit der Bürgerschaft dieser Gemeinden, die hinter der Windkraft stehen.

Gleiches gilt für die Mitarbeitenden in den Landratsämtern, der Wasserschutzbehörde und dem federführenden Ingenieurbüro.

Richtigzustellen ist auch, dass die Genehmigung der Wasserschutzbehörde lange auf sich warten ließ und keineswegs überschnell getroffen wurde.

Zur Standortwahl: Diese steht am Anfang eines Projektes, vor den vielen, zeitraubenden Pflichtaktivitäten (wie z.B. den artenschutzrechtlichen Beobachtungszeiträumen) und fiel in ein Zeitfenster, in der die 10H-Regelung Bestand hatte, welche die Flächen dermaßen reduzierte, dass den Gemeinden nur kleine Schnipsel im Höhenkirchner Forst verblieben.

Ganz Im Gegenteil zum Tenor des Kommentars spricht das Projekt der drei Gemeinden Bände, wieviel Zeit, guter Wille, Mut, Kompetenz und Aufwand erforderlich sind, dass man einerseits nur den Hut ziehen kann, dass die Gemeinden dies geleistet haben und andererseits  sofort versteht, warum es an vielen anderen Orten eben nicht passiert - obwohl es für unsere Zukunftssicherung so notwendig wäre und obwohl längst die Mehrheit der Bürgerschaft dies wollen.

Dass das Urteil in der Sache für die Klägerseite ausging, ist kein Beleg für diese haltlose und wilde Spekulation seitens des Kommentators. Restrisiken sind nie bei null, deren Abwägung ist Sache der Gerichte, das Urteil kann daher entgegen der Erwartung ausgehen, trotz aller denkbaren Vorkehrungen zum Trinkwasserschutz. Wer sich die Mühe macht, hinter die Fassade eines Rechtanwalts Armin Brauns zu blicken, seine Verbindungen zum Klimawandelleugner- und Energiewendeverhinderungsverein „Vernunftkraft“, dem Klageverein „VLAB“ oder gar den Finanziers dahinter zu ergründen, mag so manche Erkenntnis gewinnen.  

Wie viele Windräder wurden bereits in ähnlicher Lage, was die Wasserschutzgebiete betrifft, genehmigt und gebaut, ohne dass ein Verwaltungsgericht eingeschritten ist? Wieviel Restrisiko stellen Harvester und Transportfahrzeuge dar in einem Wald, in dem seit Menschendenken Holzwirtschaft betrieben wird und niemand deswegen bis auf den heutigen Tag die Notwendigkeit gesehen hat dies zu unterbinden?

Nicht welches Restrisiko – auch nicht Risiko – sondern welchen Schaden fügen wir uns selber zu, nun die Tonnen von CO2 zu emittieren, die diese Windräder einsparen könnten, Einsparungen, die so dringend notwendig sind, um unsere durch den Klimawandel geschädigten und im Bestand bedrohten Wälder zu schützen und damit auch die Filterfunktion der Waldböden für unser Trinkwasser?

Dr. Andreas vom Felde

Arbeitskreisenergie Oberfprammern