Drucken

Immer öfter hören wir in den Medien: Die Energiewende im Allgemeinen und insbesondere die EEG-Umlage seien schuld, dass die Strompreise für uns Verbraucher immer weiter steigen. Vertreter energieintensiver Industriebetriebe drohen darüber hinaus mit der Verlagerung von Produktion und Arbeitsplätzen ins Ausland – wegen der hohen Energiepreise.

Doch was sind die Fakten? Welche Interessen beeinflussen die öffentliche Darstellung?

Fakt 1: Die Berechnung der EEG-Umlage

Die Differenz zwischen Vergütungszahlungen und Einnahmen für Strom aus erneuerbaren Energien (kurz: EE-Strom), ergänzt um weitere Positionen wie Liquiditätsreserve, Industrieprivileg, Marktprämie etc., werden über die EEG-Umlage ausgeglichen. Die Umlage tragen jene Stromverbraucher, die sich nicht von ihr befreien lassen (können). Für das Jahr 2013 wurde die EEG-Umlage auf 5,27 ct/kWh festgelegt. Die reinen Förderkosten für EE-Strom machen davon mit 2,29 ct/kWh weniger als die Hälfte aus.

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AZusammensetzung_der_EEG-Umlage_2014_nach_BEE.png

Die Ursache liegt in der problematischen Berechnungsmethode der EEG-Umlage: Zum einen senkt die Einspeisung von Photovoltaik-Strom die Börsenpreise und erhöht damit paradoxerweise die rechnerischen Differenzkosten; je mehr Photovoltaik installiert wird, umso teurer erscheint nach dieser Methode die kWh Photovoltaik-Strom. Zum Anderen senkt der Preisverfall von Kohle und von CO2-Zertifikaten die Börsenstrompreise und erhöht damit zusätzlich die rechnerischen Differenzkosten.

Gemäß einer Studie, die die Organisation Agora Energiewende beim Berliner Beratungsunternehmen Energy Brainpool in Auftrag gegeben hat, kann der Kostenrückgang bei der Strombeschaffung den börsenpreisbedingten Anstieg der EEG-Umlage überkompensieren, sofern die Energieversorger die gesunkenen Beschaffungspreise an die Endkunden weitergeben würden. Mehr zur Studie / Studie als PDF-Download

„Die Energiewende kostet Geld - aber jeder Cent sollte es wert sein“, sagt Energie-Expertin Claudia Kemfert."Wenn der niedrige Börsenpreis an die Verbraucher weitergegeben würde, wären die Preise mit Leichtigkeit stabil zu halten.“  Weiterlesen

Fakt 2: Energiepolitik und Energiewirtschaft

Die großen Energiekonzerne verdienen immer noch gut an Kohle, Öl und Atomenergie. Ihre Infrastrukturen sind ganz auf diese Technologien ausgerichtet. Deswegen haben sie wenig Interesse an einer zügigen Energiewende hin zu Erneuerbaren Energien, leider jedoch großen Einfluss auf die Politik. Die steht zwischen den Stühlen: möchte einerseits die Industrie nicht verprellen, kann aber aufgeklärten Wählern kaum noch vermitteln, warum gefährliche AKW am Netz bleiben und stark CO2 produzierende Kohlekraftwerke neu in Betrieb gehen. So verkaufen Politiker Minimalkompromisse als allein gangbare Wege, statt einen Rahmen für eine moderne, Klima schonende Energieversorgung ohne Kohle und Atomkraft zu schaffen.

Fakt 3: Deutschland hat Energie im Überfluss

Solide und glaubwürdige Studien belegen: Die Stromversorgung mit und nach der Energiewende ist gesichert – z.B. Studie der European Network of Transmission System Operators for Electricity (Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber; kurz: ENTSO-E)  vom März 2012.

Kernaussage der Studie ist, dass die Stromversorgung im ENTSO-E-Verbundnetz in den Szenarien EU 2020 und B im gesamten Untersuchungszeitraum (bis 2020 bzw. bis 2025) gesichert ist. Es stehen jederzeit ausreichend gesicherte Erzeugungskapazitäten zur Verfügung. Da in beiden Szenarien die verbleibende Erzeugungskapazität bis 2020 stärker als der Vorhaltebedarf anwächst, nimmt die Versorgungssicherheit bis 2020 gegenüber heute sogar zu. Trotz des geplanten Atomausstiegs in Deutschland, Schweiz und Belgien hat sich die Prognose zur Versorgungssicherheit im Vergleich zur Vorjahresstudie der ENTSO-E nicht verschlechtert.

Weitere praxisnahe Belege liefert folgender Bericht:

Berlin, 20. Dezember 2013. Auch in der Vorweihnachtszeit ist auf die Erneuerbaren Energien Verlass: Sonne, Wind, Bioenergie sowie Wasserkraft konnten in den vergangenen Jahren auch während der kürzesten Wintertage ihren Anteil an der Stromversorgung kontinuierlich auf insgesamt bis zu 25 Prozent steigern. Mit jedem Zuwachs regenerativen Stroms wird die Prognose renommierter Wissenschaftler immer wahrscheinlicher, die eine ganzjährige, vollständig erneuerbare Stromversorgung in Aussicht stellen. Weiterlesen

Fakt 4: Nur Erneuerbare Energien sorgen für eine generationsgerechte Energieversorgung

Kohle- und Atomenergie bürden nachfolgenden Generationen große Umwelt- und Klimaschäden sowie immense Folgekosten auf. Die von fossilen Energien und Atomkraft hervorgerufenen Probleme verursachen verborgene volkswirtschaftliche Kosten, die sich einer Berechnung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zufolge allein im Jahr 2012 auf mehr als 40 Milliarden Euro beliefen. Diese volkswirtschaftlichen Kosten werden vom Staat und den Bürgern getragen– mit entsprechenden Auswirkungen auf den Bundeshaushalt und die Höhe der Steuern.

Würde man diese Kosten auf den Strompreis umlegen, läge der Strompreis laut FÖS 10,2 Cent je Kilowattstunde (kWh) höher. Weiterlesen