Besuch des Erdgasspeicherwerks in Wolfersberg Auszug aus dem Energienutzungsplan (ENP), Gemeindesteckbrief Oberpframmern, S. 127: „Der Anteil erneuerbarer Energie an der Stromversorgung liegt nur bei unterdurchschnittlichen 13,3 %. - begründet ist dies vor allem durch den hohen Stromverbrauch der Gasspeicheranlage im Norden des Gemeindegebietes“.

Mit dieser Aussage war für den AK Energie Oberpframmern der Anstoß gegeben, die Industrieanlage der DEA Deutsche Erdöl AG (Eigentümer und Betreiber) unweit des Gewerbegebiets Aichs näher kennenzulernen.

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Bild 1: Die AK Energie-Besuchsdelegation auf dem Standort Wolfersberg

Dank der Vermittlung und verschiedener Vorgespräche durch Michaela Niedermaier war es möglich, dass der  AK Energie am 12. Juni 2015 (Anm: aus hier nicht näher beschriebenen Gründen haben wir die zeitnahe Veröffentlichung dieses Beitrags im letzten Sommer zunächst vertagt) das Erdgasspeicherwerk in Wolfersberg besichtigt.

Die 9-köpfige Delegation wurde durch den Betriebsleiter der Anlage, Herrn Markus Schuster, empfangen ,der ein äußerst informatives und ausführliches Besuchsprogramm vorbereitet hatte.

In einer umfangreichen Präsentation wurden die verschiedensten Aspekte der Erdgasspeicheranlage vorgestellt, die zum Zeitpunkt Ihrer Errichtung 1973 über eines der größten Speichervolumen in Europa verfügte und dereinst der tiefstgelegene Gasspeicher der Welt war.

Hier ein paar Eckdaten:

-         Ausdehnung Ost-West ca. 5 km, in etwa von Harthausen bis Esterndorf

-         Ausdehnung Nord-Süd ca. 2 km, von Wolfersberg bis zur Steinseestraße

-         Ausdehnung vertikal ca. 40 m, davon ca. die Hälfte genutzt, in einer Tiefe von 3500 m

-         Speichermedium ist poröser Muschelkalk des einstigen Urmeerbodens

-         Maximaler Lagerstättendruck 250 bar

-         Verfügbares Volumen ca. 0,32 Milliarden Kubikmeter

Der Erdgasspeicher entstand in 2-jähriger Bauzeit nach der Ausbeutung des ehemalig vorhandenen Gasfeldes. Die Anlage wird betrieben zum Ausgleich von saisonalen Abnahmeschwankungen und finanziert sich über die Speicherentgelte. Dabei können Kunden mit kurzen Vorlaufzeiten (ca. 2 Stunden) große Mengen Gas ein- oder ausspeisen lassen.

Auf die Präsentation folgte eine mehr als 2-stündige Begehung mit fachkundiger Vorstellung aller Anlageteile.

Das Gas wird eingepresst über sechs Gasmotoren (man stelle sich Schiffsmotoren von mittelgroßen Schiffen vor) mit integrierten Kolbenverdichtern, die eine Einpressrate von 120.000 Kubikmeter pro Stunde erreichen. Die Entnahmekapazität über zehn Speicherbohrungen liegt bei fast dem Doppelten.

Beim Einspeisen (Verdichten, Gaskühlung) und beim Ausspeisen (Gas erwärmen und entspannen) werden enorme Mengen Energie ein- und umgesetzt, was sich unter anderem daran ablesen lässt, dass alle Kunden vertraglich 1,85% der umgesetzten Gasvolumina für die Ein- und Ausspeisung dem Anlagenbetreiber überlassen müssen.

 

Bild 2: Herr Schuster erläutert den elektrischen Nachverdichter für Einspeisedrücke oberhalb 200 bar

Aus Sicht des AK Energie sind zwei Energiequellen von besonderem Interesse,  die bisher nicht genutzt werden:

-         Abwärme der Gasmotoren

-         Entspannungsenergie des Gases beim Ausspeisen

Die Abwärme der Anlage Wolfersberg, im Wesentlichen bedingt durch das Betreiben der großen Gasmotoren, beträgt jährlich 24.800 MWh (!). Diese Wärmemenge übersteigt den Gesamtjahreswärmebedarf der Gemeinde Oberpframmern, der laut ENP bei 21.425 MWh liegt. Einschränkend muss bemerkt werden: 1. Die Abwärme fällt unregelmäßig und antizyklisch an, nämlich dann, wenn seitens des Kunden Einspeisebedarf angemeldet wird, wobei anzunehmen ist, dass saisonal im Sommer vorwiegend einspeist und im Winter vorwiegend ausgespeist wird. 2. Da kein Nah- oder Fernwärmenetz existiert, kann die Abwärme nicht „abtransportiert“ werden; sie wird deshalb seit Bestehen der Anlage ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben. 3. Aufgrund der baulichen und technischen Gegebenheiten ist die Auskopplung der Abwärme nicht trivial, selbst wenn ein Fernwärmeanschluss vorhanden wäre.

Die Entspannungsenergie der auf über 200 bar komprimierten Gasmenge wird ebenfalls nicht genutzt. Diese fällt zudem prozyklisch an, d.h. in den Wintermonaten, in denen die Gemeinde die meiste Energie braucht. Aus Sicht des AK Energie ließe sich prinzipiell mit einer Entspannungsturbine Strom erzeugen. Da die anfallenden Energiemengen auch hier immens wären, ist der erreichbare Wirkungsgrad einer oder mehreren Entspannungsstufen mit angekoppelten Stromgeneratoren geradewegs irrelevant. Auch hier ist aufgrund der baulichen und technischen Gegebenheiten und wegen des erheblichen Invests eine Umsetzung alles andere als trivial.

Der Betreiber DEA ist sich der ungenutzten Resourcen bewusst und führt turnusmäßig Gesprächsrunden durch mit dem Ziel energetische Optimierungsstrategien zu entwickeln.

Nebst dem vorgefundenen gewaltigen Potential für die Energiewende in Oberpframmern war die Offenheit bemerkenswert, mit der Herr Schuster sich der Diskussion mit dem AK Energie stellte. Diese mündete in der Zusage, dass Vertreter des AK Energie an der energetischen Optimierung der Anlage sich ideengebend einbringen können. Dieser „Einladung“ wird der AK Energie gerne folgen und entsprechende Vorschläge erarbeiten.

Ein Nebenschauplatz im Vergleich zu den großtechnischen Anlagen waren die derzeit im Einsatz befindlichen Beleuchtungslösungen der Anlage und der Gebäude. Hier gilt es sinnvolle Lösungskonzepte zu entwickeln, um das Potenzial der LED-Technologie zu nutzen. Besondere Herausforderung ist, dass der Großteil der Leuchten für explosionsgefährdete Bereiche zugelassen sein muss.