Angesichts der in Teilen sehr unsachlich geführten Auseinandersetzung in der lokalen Presse um das Für und Wider von Windkraftanlagen (WKA) im Ebersberger Forst bezieht der Arbeitskreis Energie Oberpframmern Stellung:

Der AK Energie Oberpframmern fordert dazu auf, die Diskussion zum Ausbau der Windenergie ergebnisoffen, strikt faktenorientiert und vor allem zielgerichtet zu führen. Zielgerichtet heißt, einen möglichst breit angelegten Konsens zu finden. Erst am Ende eines fair abgelaufenen Prozesses stehen die konkreten Maßnahmen zur Umsetzung, die mit „Maß und Ziel“ ins Auge zu fassen sind, und die können je nach betrachtetem Standort die Befürwortung der Errichtung einer WKA als auch deren Ablehnung bedeuten. Wesentlich ist aber auch, dass diese Entscheidungen überhaupt getroffen werden.

Die wesentlichen Fakten zur Entscheidungsfindung sind:

1         Die Datenlage zur globalen Erwärmung könnte kaum erdrückender sein. Kohlendioxid und Methan erwärmen unsere Atmosphäre. Nur eine forcierte Dekarbonisierung, d.h. Beendigung der Verbrennung von fossilen Energieträgern und Ausbau von regenerativen Energiequellen, kann den weiteren Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre einbremsen.

2         Trotz Kenntnis der Ursachen und ausreichender Handlungsoptionen läuft der Menschheit die Zeit davon. Nach wie vor stoßen vor allem die Industrieländer zu große Mengen des Treibhausgases CO2 aus. Klimaforscher sehen ein Fenster von nur noch zwei Jahrzehnten, in dem die Erderwärmung effektiv beeinflusst werden kann. Wir sind in der Pflicht, jetzt zu handeln. Doch in allen relevanten Bereichen – Verkehr, Wärme und Strom – passiert viel zu wenig. Wir überlassen unseren Kindern eine Erde mit massiven Klimafolgen. Wir alle müssen handeln - und zudem deutlich forcierter als bisher. Dazu gehört auch, dass die Politik endlich konsequent die Voraussetzungen schafft und Maßnahmen ergreift, um ihre nationalen Klimaschutzziele und das Klimaabkommen von Paris einzuhalten.

3         Momentan befinden wir uns in einem Zustand, in dem in einem Teil der Republik Wälder gerodet und Ortschaften geschleift werden (Kölner Becken und ostdeutsche Braunkohlegebiete), um Strom mit hohem CO2-Eintrag zu produzieren, der in anderen Teilen der Republik (u.a. durch Windkraft) erzeugt werden könnte. Zum forcierten Handeln gehört zwingend, alle Möglichkeiten einer dezentralen Energiewende auszuschöpfen. Jede Region muss Verantwortung übernehmen. Es ist inakzeptabel, die Erzeugung von Energie, die wir verbrauchen, anderen Regionen aufzubürden. Zu einer verantwortungsvollen Energiepolitik gehört auch, in einem abgestimmten Maß Veränderungen zu akzeptieren. Alle Veränderungen ‒ dazu zählen auch erforderliche Stromtrassen infolge eines „Energiekolonialismus“ ‒ anderen Regionen zu überlassen ist unfair. Diese Art der Sankt-Florians-Politik lehnen wir ab.
Eine dezentrale Energiewende bedeutet zugleich die Chance, dass jede Region von der regionalen Wertschöpfung der Energiewende profitiert.

4         Der Landkreis Ebersberg hat mit einem Energienutzungsplan und einem Meilensteinplan die Potenziale und die erforderlichen Maßnahmen aufgezeigt. Die Umsetzung von Klimaschutzzielen – einer der größten und notwendigsten Herausforderungen unserer Zeit – ist möglich, wenn alle Potenziale ausgeschöpft werden. Dazu gehört zwingend die Errichtung von Windkraftanlagen.

5         Die Konzentrationsflächenplanung aus dem Jahr 2013 zeigt mögliche Flächen für die Errichtung von WKAs in den Gemeindegebieten im Landkreis Ebersberg auf. Die Konzessionsflächen­planung wurde in einem Prozess entwickelt und im gesellschaftlichen Konsens abgestimmt. Durch die 10H-Regelung aus dem Jahr 2014 erfordern manche der möglichen Standorte einen positiven Gemeinderatsbeschluss. Fakt ist auch, dass im Zuge eines Genehmigungsverfahrens für einen Standort eine „spezielle artenschutzrechtliche Prüfung“ (saP) erfolgt und damit alle Belange des Naturschutzes maximal berücksichtigt werden. Selbstverständlich prüfen Banken im Vorfeld einer Finanzierung die Wirtschaftlichkeit einer jeden Windkraftanlage.

Was heißt das nun für jeden einzelnen in unserer Gemeinde wie auch in jeder anderen Gemeinde?

Wir müssen uns in Anerkennung der Fakten unserer Verantwortung stellen und eine Entscheidung treffen: Ist die Errichtung einer WKA auf dem Gemeindegrund zu befürworten? Ist sie besser abzulehnen? Unabhängig von der Urteilsfindung ist die eine wie die andere Entscheidung fundiert zu begründen.

Unabhängig von der Diskussion um Windkraft sind wir es nachfolgenden Generationen schuldig, alle Möglichkeiten einer dezentralen Energiewende voranzutreiben und auszuschöpfen – angefangen mit einem Überdenken der täglichen Routinen, des Mobilitäts- und Konsumverhaltens bis zur Solaranlage auf jedem geeigneten Dach.

Im Namen des Arbeitskreises Energie Oberpframmern

Bärbel Zankl                      Andreas vom Felde                       Martin Schreiner

Was hat der Klimawandel und der Rückgang der Artenvielfalt mit unserem Essen zu tun? Wer ist verantwortlich für den Hunger auf der Welt? Welche Rolle spielen dabei die Konzerne? Wie kommt die komplexe Abhängigkeit zwischen dem globalen Süden und dem globalen Norden zustande?

Die belgische Regierung will allen Einwohnern des Landes kostenlose Jodtabletten anbieten, damit sie sich im Fall eines Kernkraftwerksunfalls besser vor radioaktiver Strahlung schützen können, titelt die Zeit in Ihrer Online-Ausgabe vom 6. März diesen Jahres (Link). Was seitens der belgischen Regierung als pure Maßnahme eines überarbeiteten Notfallplans deklariert wird, hat für viele Bürgereinen einen realen Hintergrund: In Tihange, nördlich von Lüttich gelegen, und Dole, im Norden von Antwerpen, stehen zwei der ältesten Meiler des Kontinents.

Was heißt Altern bei einem Kernkraftwerk und wann ist es wirklich alt?

 

Bei der Bürgerversammlung 2017 konnten die Pframmerner Besucher einen Fragebogen zu verschiedenen Mobilitätsthemen ausfüllen. Das Ziel des Arbeitskreises Energie war, zu den Themenbereichen Autoteilen, Elektromobilität, Mitfahrbänke und Radfahren ein Stimmungsbild aus unserer Gemeinde zu erhalten, um in der weiteren Arbeit die „richtigen“ Maßnahmen anzupacken.

Andreas vom Felde, Martin Schreiner, Sepp Zankl

Als im Juni 2016 Pframmerner Familien ihre Türen für die Energiewende öffneten, stießen die Stationen mit Photovoltaik und Batteriespeicher auf sehr großes Interesse. Der Arbeitskreis Energie hat deshalb das Thema in seiner Vortragsreihe aufgegriffen und im Oktober 2016 Klaus Bernhardt, Geschäftsführer der IBEKO Solar aus Kolbermoor, als Referenten für einen offenen Stammtisch eingeladen. Das Interesse, mehr zu Batterietypen, Kosten und Nutzen, aber auch zukünftigen Entwicklungen zu erfahren war so groß, dass der Nebenraum im ANSTOSS bis auf den letzten Platz gefüllt war.

Was haben wir nun aus beiden Veranstaltungen gelernt? Können die Erfahrungen und Auswertungen unserer Batteriespeicherpioniere die Aussagen der Anbieter bestätigen? Sollten Besitzer von Photovoltaikanlagenbetreibern jetzt Batteriespeicher nachrüsten - und die stetig abnehmende Förderquote mitnehmen? Und was gilt für die, die aktuell eine PV-Anlage für ihr Dach planen – sollten die gleich einen Speicher integrieren?